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Abseits
Es ist so still; die Heide liegt
im warmen Mittagssonnenstrahle.
Ein rosaroter Schimmer fliegt
um ihre alten Gräbermale;
die Kräuter blühen; der Heideduft
steigt in die blaue Sommerluft.

Laufkäfer hasten durchs Gesträuch
in ihren goldnen Panzerröckchen,
die Bienen hängen Zweig an Zweig
sich an der Edelheide Glöckchen.
Die Vögel schwirren aus dem Kraut -
die Luft ist voller Lerchenlaut.

Ein halbverfallen niedrig Haus,
steht einsam hier und sonnbeschienen;
der Kätner lehnt zur Tür hinaus,
behaglich blinzelnd nach den Bienen;
sein Junge auf dem Stein davor,
schnitzt Pfeifen sich aus Kälberrohr.

Kaum zittert durch die Mittagsruh
ein Schlag der Dorfuhr, der entfernten;
dem Alten fällt die Wimper zu,
er träumt von Honigernten -
Kein Klang der aufgeregten Zeit
drang noch in diese Einsamkeit.
Imkerlied
Wenn ich vor meinem Stande steh,
und eine Biene fliegen seh,
so denk ich oft in meinem Sinn,
wie freut mich's, daß ich Imker bin.

Steh' mit der gold'nen Sonn ich auf,
sind meine Bienen längst wohlauf,
sie fliegen emsig her und hin,
d'rum freut mich's, daß ich Imker bin.

Und wenn mein Tagwerk vollbracht,
zur Ruhe winkt die stille Nacht,
leg ich mich selig träumend hin,
und freu' mich, daß ich Imker bin.

Und so vergeht mir froh die Zeit,
die Bienen werden schwarmbereit,
sie freu'n sich ihrer Königin
und mich freut's, daß ich Imker bin.

Und wird das Wetter dumpf und heiß,
fließt von der Tanne süßer Schweiß,
schwing ich die Schleuder froh und sing,
wie freut's mich, daß ich Imker bin.
Der Honig

Also sagte schon der Pate
Allzu viele Präparate
Und Tabletten schaden nur,
mach doch eine Honigkur!

Ist es dir nicht wohl im Magen,
fühlst im Darm du Unbehagen,
ist verschlackt und dick das Blut,
tut ein Löffel Honig gut.

Wenn das Herz nicht richtig puckert
Und der Körper ist verzuckert,
dann hilft weder Schnaps noch Bier,
doch ein Löffel Honig dir.

Beulen und geschwollene Mandeln
Muss musst mit Honig du behandeln,
denn zum ersten schmeckt er gut
und dann weil er Wunder tut.

Honig ist die Götterspeise;
Darum handle klug und weise
Und halte neben Aspirin
Honig dir als Medizin.
Der Schwarm

Ein junger Freund sagt mir beglückt,
dass er jetzt einen Schwarm besitzt.
Aus mangelnder Erfahrung wollt er wissen,
wie man ihn wohl behandeln müsse.
Jedoch was ich nicht wissen konnt,
der Schwarm, der sich in seinem Garten sonnte,
das war ein feminines Exemplar,
mit schulterlangem, blondem Haar.
Der Imker weiß wohl in der Tat
auch oft im Irrtum einen Rat:
damit der Schwarm sich nicht verzieht,
wird er zunächst feucht eingesprüht.
Hat man ihn erst mal eingefangen,
kann sich der Rest im Schatten sammeln.
Am Abend dann mit kurzem Ruck und ohne Schonung,
gibt man ihm eine neue Wohnung.
Er möchte dazu auch noch empfehlen,
drei Tage lang kein Futter geben.
Ein Freund der staunend zugehört,
schaut doch nun etwas leicht verstört.
Denn die Moral von der Geschicht',
wenn man von ganz verschiedenen Dingen spricht,
wie das so oft in unserem Leben,
kann es zwei Möglichkeiten geben.
Beim Schwarm da sollte man schon wissen,
sticht er, oder kann er küssen? 


Oase des Friedens

Wenn ich zu meinem Stande geh
und tausend Bienen um mich seh
und hör das altvertraute Summen,
dann müssen Lied und Gram verstummen.

Dann denke ich nicht an Gut und Geld,
nicht an den Hader in der Welt,
nicht an den Lärm auf allen Gassen,
nicht an der Feinde grimmes Hassen.

Noch an der Freunde Neid und Spott:
dann dank ich still nur meinem Gott,
daß er im Tollhaus dieser Erden,
dies Heim des Friedens mir ließ werden.

Kehr ich vom Bienenhaus zurück,
ist aufgehellt der trübe Blick.
Denn, was mir grau und schwer erschienen,
das gab ich meinen lieben Bienen.

Die trugens in die Luft hinaus,
gleich allem Schmutz aus ihrem Haus,
und was sie mir dafür gegeben,
ist neue Kraft zu frohem Leben.

(aus: Edmund Herold   "Der Bienennarr